Über die Zollstraße in Willich habe ich bereits im November 2023 geschrieben. Schon damals ging es nicht mehr um eine bloße Idee, sondern um ein konkretes Wohnprojekt. Inzwischen ist sichtbar, wie sich die Planung weiterentwickelt hat und was dort tatsächlich entstanden ist. Am 26. März haben wir uns als Aufsichtsrat der Grundstücksgesellschaft von den fast fertigen Wohnungen ein Bild machen können. Für die kommunalpolitische Debatte ist das wichtig. Denn über bezahlbaren Wohnraum wird in Willich oft abstrakt gesprochen. An der Zollstraße kann man ihn jetzt sehen. Man kann durch die Häuser gehen, die Lage erleben und die Qualität der Umsetzung konkret beurteilen.
Inhaltsverzeichnis
ToggleVom damaligen Plan zum heutigen Ergebnis
Mir ist wichtig, hier sauber und transparent einzuordnen, dass der Stand von 2023 nicht mehr identisch mit dem heute realisierten Projekt ist. In meinem früheren Beitrag habe ich den damaligen Planungsstand beschrieben. Damals ging es unter anderem um Bodenfragen, um die frühere Nutzung der Fläche und um die Übertragung des Grundstücks an die Grundstücksgesellschaft im September 2023. In diesem damaligen Stand war noch eine andere bauliche Konzeption beschrieben.



Genau deshalb ist das Projekt an der Zollstraße in Willich heute so interessant. Es zeigt, dass kommunale Projekte sich im Verlauf verändern können, ohne dass das Ziel verloren geht. Das Ziel war und ist, in Willich Wohnraum zu schaffen, der nicht nur auf dem Papier bezahlbar sein soll, sondern praktisch nutzbar, gut gelegen und alltagstauglich ist. Entscheidend ist aus meiner Sicht deshalb nicht, ob jede frühe Skizze am Ende unverändert umgesetzt wurde. Entscheidend ist, dass am Ende Wohnungen entstanden sind!
Was an der Zollstraße in Willich konkret entstanden ist
An der Zollstraße 15 in Willich sind zwei Häuser mit insgesamt vier Wohnungen entstanden. Jede Wohnung hat rund 80 Quadratmeter Wohnfläche. In jedem Haus gibt es zwei Wohnungen, unten mit Terrasse und oben mit Balkon. Auf dem Dach befindet sich jeweils eine Photovoltaik-Anlage. Hinzu kommt ein Luft-Wärmepumpen-System. Außerdem verfügen die Wohnungen über eine integrierte Küche und ein barrierefreies Bad. Die Wohnungen sind bereits komplett vermietet.



Das ist für mich der eigentliche politische Kern dieses Projekts:
- vier konkrete Wohnungen statt bloßer Ankündigungen
- rund 80 Quadratmeter pro Einheit
- Terrassen und Balkone statt Minimalstandards
- Photovoltaik und Wärmepumpe statt veralteter Technik
- barrierefreie Bäder für mehr Alltagstauglichkeit
- bereits vermieteter Wohnraum statt jahrelanger Warteschleife



Gerade diese Mischung finde ich überzeugend. Bezahlbarer Wohnraum darf nicht mit einem abgesenkten Qualitätsanspruch verwechselt werden. Wer in Willich über Wohnen spricht, muss immer auch darüber sprechen, wie Menschen tatsächlich leben wollen: familiengerecht, funktional, modern, gut angebunden und mit einem Umfeld, das zur Stadt passt.
Warum der Standort an der Zollstraße in Willich sinnvoll ist
Die Lage ist ein echtes Plus. Die Häuser liegen im Grünen zwischen Alt-Willich und Schiefbahn. Es gibt einen herrlichen Blick in die niederrheinische Landschaft und die Bushaltestellen Dickerheide sind quasi vor der Tür. Bei bezahlbarem Wohnraum geht es nicht nur um den Quadratmeterpreis, sondern auch um Mobilität, Erreichbarkeit und Lebensqualität.
Mein Eindruck beim Ortstermin war außerdem: Die Zollstraße verbindet an dieser Stelle vieles, was in Willich oft getrennt diskutiert wird. Man wohnt ruhig und grün, ist aber nicht abgehängt. Man ist schnell Richtung Alt-Willich unterwegs, hat Schiefbahn in der Nähe und profitiert von der direkten ÖPNV-Anbindung. Auch genau deshalb halte ich den Standort für gelungen.
Was aus der Zollstraße jetzt folgen muss
Für mich ist die wichtigste politische Lehre aus dem Projekt an der Zollstraße in Willich klar: Die Stadt und ihre Grundstücksgesellschaft können selbst bezahlbaren Wohnraum schaffen, wenn der politische Wille da ist. Genau das haben wir hier ganz praktisch bewiesen. Als SPD fordern wir seit Jahrzehnten, dass Willich beim Wohnen nicht nur plant, moderiert oder auf andere hofft, sondern selbst aktiver wird. Lange Zeit gab es dafür keine politischen Mehrheiten. Umso wichtiger ist es jetzt, die richtigen Konsequenzen aus diesem Projekt zu ziehen. Die Zollstraße zeigt, dass kommunales Handeln möglich ist und dass die oft vorgebrachten Ausreden, warum eigener städtischer Wohnungsbau angeblich nicht gehe, jedenfalls nicht mehr überzeugen.
Deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht, die GSG weiterhin vor allem als Gesellschaft für Gewerbegebiete, Flächenentwicklung oder Innenstadtprojekte zu verstehen. All das bleibt wichtig. Aber wenn wir in Willich ernsthaft mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, dann muss sich das auch im Auftrag der Gesellschaft klar widerspiegeln. Als SPD fordern wir deshalb, den Gesellschaftszweck der GSG entsprechend zu erweitern und ausdrücklich festzuschreiben, dass die Grundstücksgesellschaft auch bezahlbaren, modernen und barrierefreien Wohnraum schaffen soll. Die Zollstraße ist dafür kein theoretisches Beispiel, sondern der praktische Beleg, dass die GSG genau das kann.
Fazit zur Zollstraße in Willich
Vier Wohnungen lösen das Wohnungsproblem in Willich nicht allein. Aber sie zeigen sehr konkret, in welche Richtung wir künftig gehen müssen: mehr eigene kommunale Initiative, mehr Mut zu weiteren Projekten und eine GSG, die nicht nur Flächen verwaltet, sondern aktiv zur Schaffung neuen Wohnraums in Willich beiträgt.
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