Moltkedorf in Willich: Warum dieses Quartier jetzt wichtig ist

Bereits 2021 haben wir als SPD beantragt, die Neuplanung des Geländes an der Moltkestraße auf den Weg zu bringen, um dort bezahlbare Wohnbebauung zu ermöglichen. Diesen Impuls halte ich bis heute für richtig. Und ich finde es gut, dass aus dieser Idee jetzt endlich ein konkreter städtebaulicher Entwurf geworden ist. Denn das Moltkedorf ist kein abstraktes Projekt auf dem Papier, sondern eine 2,9 Hektar große Fläche mitten in Alt-Willich, die heute noch durch die frühere Containerunterkunft geprägt ist und künftig eine echte Chance für neuen Wohnraum bieten kann.

Für mich ist dabei aber genauso klar: Es reicht nicht, einfach nur viele Wohnungen auf eine Fläche zu setzen. Entscheidend ist, welcher Wohnraum entsteht. Wenn wir im Moltkedorf neu bauen, dann müssen dort vor allem bezahlbare, barrierefreie und alltagstaugliche Wohnungen entstehen. Genau das passt auch zu den Zielen, die die Stadt Willich in ihrem Leitbild „Zukunft Wohnen in Willich“ selbst formuliert hat: mehr kleine Wohnungen, mehr seniorengerechte Angebote und mehr Wohnraum für Menschen mit kleineren Einkommen.

Warum das Moltkedorf für Willich wichtig ist

Hinzu kommt: Das Umfeld des Plangebiets ist für Wohnen nicht ungeeignet, sondern im Gegenteil gut angebunden. Die Fläche liegt zwischen Moltkestraße, Krusestraße und An Liffersmühle, also mitten im bestehenden Siedlungszusammenhang von Alt-Willich. Der zentrale Versorgungsbereich an der Bahnstraße, der Bereich Am Güterbahnhof, die Haltestelle Moltkeplatz und der ÖPNV-Knoten St. Töniser Straße sind gut erreichbar. Im Quartiersmobilitätskonzept wird ausdrücklich auf die „Stadt der kurzen Wege“ abgestellt.

JahrWohnungen gesamtÖffentlich gefördert
201923.777725
202023.863684
202123.909648
202223.985648
202324.056613
202424.245601

Die Entwicklung ist eindeutig: Während die Gesamtzahl der Wohnungen in Willich leicht wächst, geht der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen zurück. Genau darin liegt das eigentliche Problem. Wenn wir neu bauen, dann muss ein spürbarer Teil dieses Wohnraums auch für Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen bezahlbar sein.

Mir ist wichtig: Wer heute rund um das Plangebiet wohnt, hat nachvollziehbare Fragen zu Gebäudehöhen, Verkehr, Grünflächen und Alltagstauglichkeit. Diese Fragen verdienen keine Abwehrreflexe, sondern saubere Antworten. Genau dafür ist das laufende Beteiligungsverfahren da.

Was der Entwurf heute schon richtig macht

Der aktuelle Entwurf sieht vier Hofstrukturen vor. Die zwei westlichen Höfe an der Moltkestraße sind überwiegend mit Mehrfamilienhäusern geplant. In den östlichen Bereichen kommen zusätzlich Doppel- und Reihenhäuser hinzu. Genau diese Staffelung halte ich städtebaulich für vernünftig: Zur Krusestraße hin wird kleinteiliger gebaut, zur Moltkestraße hin dichter. Auch die Geschossigkeit folgt diesem Prinzip. Geplant sind im Osten II-geschossige Doppel- und Reihenhäuser, dazwischen überwiegend III-geschossige Mehrfamilienhäuser und an markanten Eingangssituationen IV-geschossige Mehrfamilienhäuser. So sollen rund 200 Wohneinheiten entstehen.

Ich finde diese Grundidee richtig, weil sie zwei Ziele zusammenbringt: mehr Wohnraum für Willich und einen verträglichen Übergang zum Bestand an der Krusestraße. Aus meiner Sicht ist der Entwurf kein Bruch mit dem Umfeld, sondern der Versuch, neuen Wohnraum und bestehende Strukturen sinnvoll miteinander zu verbinden.

Bezahlbarer Wohnraum muss verbindlich werden

Trotzdem ist für mich der wichtigste Punkt noch nicht gelöst. In der Begründung steht zwar ausdrücklich, dass kleine, barrierefreie, mietpreisgedämpfte oder mietgebundene Wohnungen gebraucht werden. Aber ein guter Satz in einer Planbegründung ist noch keine Garantie für ein gutes Ergebnis auf dem Wohnungsmarkt.

Deshalb setzen wir uns als SPD-Fraktion im weiteren Verfahren für drei Dinge ein:

  • eine verbindliche Quote für geförderte oder dauerhaft mietpreisgedämpfte Wohnungen
  • einen klaren Schwerpunkt auf barrierefreie Wohnungen im Geschosswohnungsbau
  • Transparenz darüber, wie sich die rund 200 Wohneinheiten auf Wohnformen und Preissegmente verteilen sollen

Aus meiner Sicht liegt genau hier der politische Hebel. Wir wollen nicht einfach nur möglichst viel bauen. Wir wollen, dass im Moltkedorf Wohnungen entstehen, die sich Menschen in Willich auch wirklich leisten können.

Grünflächen, Artenschutz und Aufenthaltsqualität

Ein häufiger Einwand lautet, dass mit der Bebauung Grün verloren gehe. Das darf man weder wegwischen noch dramatisieren. Richtig ist: Das heutige Plangebiet ist nicht nur versiegelte Fläche, sondern enthält Rasenflächen, einen Bolzplatz und Randgrün. Die Planbegründung bewertet diese Grünstrukturen im Plangebiet allerdings nicht als besonders ökologisch hochwertig. Gleichzeitig sagt die Artenschutzprüfung klar, dass vor allem die extensiven Rasenflächen und die südlichen Gehölzstrukturen als Nahrungshabitat eine Rolle spielen können. Gerade deshalb wird empfohlen, den südlichen Gehölzrand zu erhalten oder auszubauen.

Für mich folgt daraus: Grün ist im Moltkedorf kein Luxus und auch keine reine Dekoration. Grünflächen müssen hier mehrere Aufgaben zugleich erfüllen. Die Unterlagen nennen ausdrücklich Aufenthaltsqualität, Biodiversität, klimatische Wirkung und den Umgang mit Niederschlagswasser. Dazu kommt die Überflutungsvorsorge bei Starkregen. Das heißt politisch: Nicht jeder Quadratmeter, der heute als Freiraum oder Mulde vorgesehen ist, darf später aus kurzfristigen Renditegründen wegverhandelt werden.

Lärm: Die Probleme sind beherrschbar

Auch beim Thema Lärm lohnt sich Sachlichkeit. Die gute Nachricht ist: Die verfassungsrechtliche Schwelle der Gesundheitsgefährdung von 70 dB(A) tags und 60 dB(A) nachts wird laut den Unterlagen im gesamten Plangebiet unterschritten. Gleichzeitig gibt es aber durchaus Bereiche, die besonders sorgfältig geplant werden müssen. Im westlichen Randbereich parallel zur Moltkestraße und im Einflussbereich angrenzender Gewerbebetriebe gibt es tagsüber Überschreitungen der Orientierungswerte. Für den westlichen Rand werden maßgebliche Außenlärmpegel von bis zu etwa 68 dB(A) genannt. Daraus folgen erhöhte Anforderungen an die Schalldämmung der Außenbauteile.

Ich ziehe daraus einen klaren Schluss: Man muss das Problem lösen, nicht das Projekt aufgeben. Die Unterlagen nennen dafür mehrere Instrumente, etwa Gebäudeanordnung, passive Schallschutzmaßnahmen und die Möglichkeit, Quartiersgaragen an der Moltkestraße auch als baulichen Lärmschutz zu nutzen. Genau dieser integrierte Ansatz überzeugt mich mehr als pauschale Behauptungen, das Gebiet sei generell ungeeignet.

Verkehr und Mobilität: Nicht wegreden, sondern intelligent organisieren

Natürlich wird neuer Wohnraum auch zusätzliche Wege erzeugen. Das ist klar. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Der Entwurf setzt hier auf zwei Anbindungen an die Moltkestraße, auf eine ringförmige Erschließung und auf ein autoarmes Quartier mit verkehrsberuhigten Bereichen, Quartiersgaragen, Sharing-Angeboten und guten Fuß- und Radverbindungen zur Krusestraße und An Liffersmühle. Für 200 Wohneinheiten werden im Mobilitätskonzept 200 Kfz-Stellplätze und 300 Fahrradabstellplätze angesetzt.

Wichtig ist für mich auch: Die Verkehrsuntersuchung kommt grundsätzlich zu dem Ergebnis, dass die Entwicklungen in Moltkedorf, Friedhof und Roeddersfeld verkehrlich abgewickelt werden können, wenn der zentrale Knoten Parkstraße, Korschenbroicher Straße, Bahnstraße und St. Töniser Straße angepasst wird. Für den 4-armigen Kreisverkehr werden allerdings nur noch geringe Reserven gesehen. Eine signalisierte 4-armige Kreuzung hätte mehr Reserven. Zugleich sagt die aktuelle Begründung ehrlich, dass wegen der inzwischen höheren Dichte des Moltkedorfs eine zusätzliche Überprüfung im weiteren Verfahren nötig ist. Genau so muss man mit solchen Themen umgehen: belastbar prüfen, sauber nachsteuern, nichts beschönigen. Im Verfahren ist derzeit vorgesehen, den 5-armigen Kreisverkehr auf einen 4-armigen Knoten zu reduzieren. Wegen der höheren Dichte des Moltkedorfs muss die Leistungsfähigkeit aber zusätzlich überprüft werden.

Im Alltag spricht zudem viel dafür, dass das Quartier gerade nicht allein auf das Auto angewiesen sein muss. Nahezu das gesamte Moltkedorf liegt im Erschließungsradius der Haltestelle Moltkeplatz. Die Haltestelle St. Töniser Straße ist zu Fuß in etwa 13 Minuten erreichbar, Willich Bahnhof als Haltepunkt im Busnetz in etwa 8 Minuten. Dazu kommt die Nähe zum Alleenradweg über Formerweg und Moltkeplatz. Für mich zeigt das: Wer Mobilität von Anfang an mitdenkt, kann im Moltkedorf Lebensqualität gewinnen statt nur Verkehr zu addieren.

Fazit zum Moltkedorf

Ich bin für die Entwicklung des Moltkedorfs. Aber ich bin für eine Entwicklung mit klaren Maßstäben. Ich möchte dort ein Quartier, das zu Alt-Willich passt und zugleich Antworten auf reale Probleme gibt: zu hohe Mieten, fehlende barrierefreie Wohnungen, zu wenig kleine Wohnungen und zu wenig bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit normalem Einkommen.

Deshalb werde ich mich weiter dafür einsetzen, dass wir das Moltkedorf gemeinsam im Stadtrat, mit der Verwaltung und im Dialog mit den Beteiligten weiterentwickeln. Gute Stadtentwicklung gelingt nicht im Gegeneinander, sondern dann, wenn berechtigte Interessen ernst genommen und tragfähige Lösungen möglich gemacht werden. Für mich heißt verantwortliche Kommunalpolitik genau das: zuhören, sauber abwägen und dann Entscheidungen treffen, die auch langfristig für Willich tragen.

FAQ

Was ist das Moltkedorf in Willich?

Das Moltkedorf ist die Fläche östlich der Moltkestraße in Alt-Willich, die seit 2016 für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt wurde. Das Plangebiet ist rund 2,9 Hektar groß; im September 2024 waren dort noch 150 von insgesamt 268 Plätzen belegt.

Wie viele Wohnungen sollen im Moltkedorf entstehen?

Der aktuelle städtebauliche Entwurf geht von rund 200 Wohneinheiten aus. Ältere Verkehrsszenarien, die noch mit 100 oder 130 Wohneinheiten gerechnet haben, werden im weiteren Verfahren wegen der höheren aktuellen Dichte noch einmal überprüft.

Passt viergeschossige Bebauung dort überhaupt hin?

Aus meiner Sicht ja, wenn sie richtig angeordnet wird. Die Planung sieht gerade keine einheitliche Höhe vor, sondern eine Staffelung: kleinteiligere Doppel- und Reihenhäuser zur Krusestraße, überwiegend III-geschossige Mehrfamilienhäuser im Inneren und IV-geschossige Akzente an den Eingangssituationen.

Gehen im Moltkedorf einfach nur Grünflächen verloren?

Nein, so einfach ist es nicht. Es wird künftig mehr versiegelt als heute, aber die Planung sieht zugleich öffentliche und private Grün- und Freiflächen für Aufenthalt, Biodiversität, Starkregenvorsorge und Wohnqualität vor. Aus artenschutzlicher Sicht sollten vor allem der südliche Gehölzrand und Teile der Freiflächen erhalten oder gestärkt werden.

Ist der zusätzliche Verkehr beherrschbar?

Nach der vorliegenden Verkehrsuntersuchung ja, sofern die Anpassungen am zentralen Knotenpunkt umgesetzt werden. Gleichzeitig sagt die aktuelle Begründung zu Recht, dass wegen der inzwischen höheren Dichte des Projekts eine ergänzende Überprüfung noch folgen muss.

Wie soll Lärmschutz im Moltkedorf funktionieren?

Die Gesundheitsgrenzen werden im gesamten Plangebiet unterschritten, aber an einigen westlichen Randbereichen sind Schutzmaßnahmen nötig. Vorgesehen sind vor allem kluge Gebäudeanordnung, passive Schallschutzmaßnahmen und die Nutzung von Quartiersgaragen als mögliche Lärmabschirmung.

Was bedeutet bezahlbarer Wohnraum im Moltkedorf konkret?

Für mich bedeutet das nicht nur „viele Wohnungen“, sondern die richtigen Wohnungen. Die Stadt benennt selbst den Bedarf an kleinen, barrierefreien, mietpreisgedämpften und mietgebundenen Wohnungen. Im nächsten Schritt muss das politisch verbindlich festgeschrieben werden.

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