Nördlich der Fontanestraße entsteht am Rand von Schiefbahn ein neues Wohnquartier. Das Baugebiet ist nicht nur für Menschen interessant, die ein Grundstück für ein eigenes Haus suchen. Vorgesehen sind auch Mehrfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser sowie einige Tiny Houses. Damit soll Wohnraum für unterschiedliche Lebensphasen und Haushaltsgrößen entstehen.
Der Bebauungsplan Nr. 45 S wurde von uns als Rat der Stadt Willich im Juli 2024 als Satzung beschlossen. Im Sommer 2026 haben wir die Kaufpreise für die ersten städtischen Baugrundstücke festgelegt und die Wärmeversorgung des Quartiers beschlossen. Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand zusammen.

Wo liegt das neue Baugebiet?
Das Plangebiet liegt am nördlichen Siedlungsrand von Schiefbahn. Es schließt an die vorhandene Wohnbebauung an der Johannes-Spaetgens-Straße und der Jakob-Germes-Straße an; im Westen grenzt es an die Fontanestraße. Die Haupterschließung soll von der Willicher Straße aus erfolgen. Eine Fuß- und Radwegeverbindung bindet das Quartier an die bestehende Umgebung an.

Die beiden neuen Straßen tragen bereits Namen:
- Die Haupterschließung heißt Im Hellenbroich.
- Die ringförmige Nebenerschließung heißt Zum Teufelsberg.
Der Name Fontanestraße bleibt für die Lagebeschreibung wichtig. Wer sich über Grundstücke, das Bewerbungsverfahren oder die neue Wärmeversorgung informiert, wird künftig aber auch auf die Adressen Im Hellenbroich und Zum Teufelsberg stoßen.
Welche Wohnungen und Häuser sind vorgesehen?
Das Baugebiet soll bewusst nicht nur aus Einfamilienhäusern bestehen. Der Bebauungsplan erlaubt verschiedene Wohnformen. Nach der städtebaulichen Planung können voraussichtlich entstehen:
- etwa 65 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern,
- rund 30 Wohnungen in Doppelhäusern,
- etwa 16 Einfamilienhäuser,
- rund 13 Reihenhäuser und
- etwa fünf Tiny Houses.
Insgesamt wären damit rechnerisch ungefähr 129 Wohneinheiten möglich. Das ist keine verbindliche Zusage für jede einzelne Wohnung. Wie viele Wohnungen tatsächlich gebaut werden, hängt von der späteren Grundstücksvergabe, den konkreten Bauvorhaben und den Genehmigungen ab. Die Größenordnung zeigt aber: Das Gebiet soll mehr sein als ein kleines Einfamilienhausquartier.
Gerade das ist aus meiner Sicht sinnvoll. Willich braucht weiterhin Häuser für Familien. Zugleich fehlen kleinere, bezahlbare und möglichst barrierearme Wohnungen für ältere Menschen, Alleinlebende, Auszubildende und Berufseinsteiger. Warum der Wohnungsbedarf trotz einer voraussichtlich älter werdenden und langfristig kleineren Bevölkerung nicht einfach verschwindet, habe ich im Beitrag zur Bevölkerungsentwicklung in Willich bis 2050 erläutert.
Was kosten die Grundstücke an der Fontanestraße?
Für den ersten Verkaufsabschnitt haben wir im Haupt- und Finanzausschuss im Juli 2026 drei Preisstufen beschlossen. Sie richten sich vor allem nach der Lage und Ausrichtung der Grundstücke:
| Lage beziehungsweise Grundstücksgruppe | Kaufpreis je Quadratmeter |
|---|---|
| Südlage sowie ein besonders großes Grundstück am Grünzug | 380 Euro |
| Westlage und einzelne kleinere Grundstücke | 350 Euro |
| Ostlage | 330 Euro |
Die Preise sind erschließungsbeitragsfrei. Sie enthalten nach der Beschlussvorlage die öffentlich-rechtlichen Erschließungsbeiträge, den Kanalanschlussbeitrag und den Kostenersatz für den Kanalgrundstücksanschluss. Die Stadt hatte diese Erschließungskosten damals mit rund 105 Euro je Quadratmeter geschätzt.
Für Käuferinnen und Käufer ist dennoch wichtig: Erschließungsbeitragsfrei bedeutet nicht, dass mit dem Kaufpreis alle Ausgaben erledigt sind. Hinzu kommen insbesondere Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten sowie natürlich die Kosten für Hausbau, Außenanlagen, Garage oder Carport und die individuelle Innenausstattung.
Die Preise liegen im Bereich der von der Verwaltung genannten Bodenrichtwerte der angrenzenden Wohnlagen. Diese lagen nach der Vorlage zwischen 340 und 400 Euro je Quadratmeter. Deshalb wäre es nicht sachlich, die Preise pauschal als Schnäppchen zu bezeichnen. Im Vergleich zu vielen Neubaugebieten in der Region sind sie aber nachvollziehbar und transparent begründet.
Wann werden die Grundstücke verkauft?
Die Stadt plant die Vermarktung in drei Abschnitten von 2026 bis 2028:
- 2026: Zunächst sollen Grundstücke für Einfamilienhäuser an private Interessierte in einem Bewerberverfahren verkauft werden.
- 2027: Im zweiten Abschnitt soll der Schwerpunkt auf Flächen für Mehrfamilienhäuser liegen.
- 2028: Im östlichen Teil des Gebiets sollen anschließend unter anderem Flächen für Mehrfamilienhäuser, Tiny Houses und Doppelhäuser vermarktet werden.
Die Ratsvorlage legt damit die grundsätzliche Reihenfolge fest. Den genauen Beginn einer Bewerbungsfrist, die Bewerbungsunterlagen und die einzelnen Grundstückszuschnitte muss die Stadt gesondert veröffentlichen. Interessierte sollten deshalb die Bekanntmachungen der Stadt Willich und die Informationen zur städtischen Grundstücksvergabe aufmerksam verfolgen.
Für den ersten Abschnitt ist entscheidend: Die Stadt hat nicht nur über einen Verkauf an einen einzelnen Investor gesprochen. Die Grundstücke für Einfamilienhäuser sollen ausdrücklich über ein Bewerberverfahren an private Interessierte vergeben werden.
Welche sozialen, familiären und örtlichen Kriterien bei der Vergabe städtischer Grundstücke eine Rolle spielen sollten, habe ich hier ausführlich erläutert: Grundstücksvergabe in Willich: Warum die Kriterien fairer werden müssen.
Wie wird das Baugebiet an das Straßennetz angebunden?
Mehr Wohnungen bedeuten auch zusätzlichen Verkehr. Deshalb wurde für das Baugebiet ein eigenes Verkehrsgutachten erstellt. Es untersuchte sechs mögliche Varianten für die Anbindung. Empfohlen wurde schließlich der sogenannte Planfall III, der auch dem späteren Bebauungsplan zugrunde liegt:
- Der westliche Teil des Baugebiets wird über die Fontanestraße angebunden.
- Die mittleren und östlichen Bereiche werden über eine neue Einmündung an der Willicher Straße südlich der Kita-Fläche erschlossen.

Das Baugebiet erhält damit keinen eigenen zusätzlichen Arm unmittelbar am neuen Kreisverkehr am Schiefbahner Dreieck. Es ist aber über die Willicher Straße an diesen Kreisverkehr angebunden. Der fünfarmige Kreisverkehr an der Korschenbroicher Straße, der Willicher Straße und Gatherbusch wurde im Gutachten bereits als Teil der künftigen Verkehrslösung berücksichtigt.
Der Hintergrund ist wichtig: Der frühere Doppelknotenpunkt war nach den Berechnungen insbesondere am Nachmittag bereits ohne das Baugebiet überlastet. Für die damals geplante Wohnbebauung mit rund 130 Wohnungen rechnete das Gutachten mit etwa 750 zusätzlichen Kfz-Fahrten pro Werktag. Die seinerzeit ebenfalls geplante Kita für 65 Kinder wurde mit weiteren rund 160 Fahrten angesetzt.
Für die Spitzenstunden wurden daraus rund 60 zusätzliche Fahrzeuge pro Stunde aus dem Wohngebiet berechnet. Auf der Willicher Straße wäre ein Zuwachs von höchstens rund 70 Fahrzeugen pro Stunde zu erwarten, auf der Fontanestraße von höchstens rund 50. Das Gutachten bewertete diese Mengen im Verhältnis zur Funktion der Straßen als verträglich. Mit dem damals noch geplanten Kreisverkehr sollten die Knotenpunkte die prognostizierte Verkehrsnachfrage mindestens mit guter Verkehrsqualität abwickeln können. Der Kreisverkehr ist inzwischen fertiggestellt.
Das sind keine aktuellen Messwerte, sondern eine Prognose aus dem Jahr 2022 auf Grundlage der damaligen Planungsdaten. Sie zeigt aber, warum die Aufteilung der Zufahrten und der Ausbau des Kreisverkehrs zusammengehören: Der Verkehr soll nicht vollständig durch die Fontanestraße geführt werden.
Was bedeutet die kalte Nahwärme für Bauherren?
Eine Besonderheit des Baugebiets ist die Wärmeversorgung. Der Rat hat im Juli 2026 beschlossen, die Stadtwerke Willich mit Bau und Betrieb eines kalten Nahwärmenetzes zu beauftragen. Für das Gebiet gilt außerdem ein Anschluss- und Benutzungszwang für diese zentrale Wärmeversorgung.
Das System nutzt Geothermie. Über ein sogenanntes kaltes Netz wird die Energie zu den Gebäuden geführt, dort arbeitet jeweils eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Damit unterscheidet sich das Konzept von einer klassischen Gasheizung und auch von einzelnen Luft-Wasser-Wärmepumpen an jedem Haus.
Für Bauherren hat das zwei Folgen. Erstens besteht bei der Wärmeversorgung keine freie Wahl zwischen beliebigen Systemen. Zweitens sollte die Technik von Anfang an in die Bau- und Finanzplanung einbezogen werden. Maßgeblich sind dabei die späteren Vertragsbedingungen der Stadtwerke sowie die individuellen Kosten des jeweiligen Hauses. Allgemeine Beispielrechnungen ersetzen keine persönliche Kalkulation.
Das Quartier soll klimafreundlicher versorgt werden und zugleich ohne zahlreiche Außenanlagen von Luftwärmepumpen auskommen.
Grün, Wege und Klimaschutz gehören zum Konzept
Das neue Quartier besteht nicht nur aus Bauflächen. An der nördlichen Grenze ist ein rund 15 Meter breiter Grünzug vorgesehen. Er soll den Übergang zur Landschaft gestalten und zugleich Wege sowie Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Zusätzlich ist eine weitere öffentliche Grünfläche innerhalb des Gebiets geplant.
Der Bebauungsplan sieht außerdem unter anderem Vorgaben zur Nutzung solarer Energie und zur Dachbegrünung vor. Das passt grundsätzlich zu einem Neubaugebiet, das langfristig funktionieren soll. Entscheidend wird sein, dass diese Ziele beim Bau tatsächlich sichtbar werden und nicht nur in den Planunterlagen stehen.

Die Erschließung und die Grünflächen sollen das neue Quartier mit der bestehenden Umgebung in Schiefbahn verbinden.
Was Interessierte jetzt beachten sollten
Wer sich für ein Grundstück im Baugebiet interessiert, sollte vor einer Bewerbung vor allem vier Punkte klären:
- Bewerbungsfrist und Vergabekriterien: Die Stadt muss mitteilen, wann Bewerbungen möglich sind und welche Unterlagen erforderlich sind.
- Grundstück und Bauvorgaben: Größe, Lage, zulässige Geschosse, Dachform und weitere Festsetzungen ergeben sich aus dem konkreten Grundstück und dem Bebauungsplan.
- Gesamtkosten: Zum Grundstückspreis kommen Kaufnebenkosten, Hausbau, Außenanlagen und die technische Ausstattung hinzu.
- Wärmeversorgung: Die kalte Nahwärme und die erforderliche Sole-Wasser-Wärmepumpe gehören in jede Finanzierung und in die technische Planung.
Das Baugebiet an der Fontanestraße ist für Schiefbahn ein wichtiges Wohnungsbauprojekt. Es kann Familien den Weg zum eigenen Haus eröffnen und zugleich neue Mietwohnungen sowie kleinere Wohnformen ermöglichen. Ob es diesen Anspruch erfüllt, hängt nun davon ab, dass die Vergabe transparent läuft, die geplante Mischung tatsächlich entsteht und die Wärmeversorgung im Alltag überzeugt.
