In den letzten Wochen wurde ich mit vielen Fragen zur Grundpreiserhöhung für Strom durch die Stadtwerke Willich konfrontiert. Denn zum 01.01.2025 stieg der monatliche Grundpreis von 8,98 Euro auf 19,73 Euro brutto. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich gefragt, warum diese doch deutliche und spürbare Erhöhung notwendig ist. Deshalb habe ich bei den Stadtwerken Willich und Geschäftsführer Herrn Tafil Pufja nachgefragt, um mehr über die Hintergründe der Preisgestaltung zu erfahren.
Warum wurde der Grundpreis erhöht?
Zunächst einmal weisen die Stadtwerke darauf hin, dass der bislang sehr niedrige Grundpreis von 8,98 Euro im Vergleich zu anderen Anbietern in der Region extrem günstig war. Zum Beispiel liegt der Grundpreis bei den Stadtwerken Krefeld bei rund 19,85 Euro pro Monat, was doppelt so hoch ist. Trotz der nun erfolgten Erhöhung auf 19,73 Euro pro Monat liegen die Stadtwerke Willich weiterhin leicht unter den Preisen der Konkurrenz.
Der Grund für die Erhöhung ist vielschichtig. Auch als kommunales Unternehmen spüren die Stadtwerke die Auswirkungen der Inflation deutlich. Kosten für Personal, für technische Infrastruktur, für externe Dienstleister sind durchweg gestiegen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Strom aus dem Netz der Stadtwerke gesunken, da immer mehr Haushalte auf Photovoltaikanlagen setzen. Dies führt dazu, dass die Einnahmen der Stadtwerke zurückgehen, obwohl die Kosten für die Netzinfrastruktur und den Betrieb gleich bleiben.
Ist die Grundpreiserhöhung gerecht?
Das Stromnetz in Deutschland sei eigentlich als Solidarprinzip gedacht, wobei alle Bürgerinnen und Bürger gemeinsam zur Finanzierung der Stromversorgung beitragen sollen, erklärte mir Stadtwerke-Geschäftsführer Tafil Pufja.
Durch die zunehmende Verbreitung von PV-Anlagen auf privaten Dächern profitieren aber vor allem wohlhabendere Haushalte, die sich diese Anlagen leisten können. Mieter in Geschosswohnungsbauten haben hingegen nicht die Möglichkeit, ihre eigenen Dach-Solaranlagen zu installieren, was zu einer Ungleichbehandlung führt.
Die Erhöhung des Grundpreises sei daher eine Möglichkeit, diese Ungleichbehandlung auszugleichen und die Netzinfrastruktur zu finanzieren, ohne den Arbeitspreis zu erhöhen, da dies einkommensschwächere Haushalte stärker belasten würde.
Allerdings: Die Preiserhöhung der Stadtwerke Willich auf 19,73 Euro pro Monat ist eine erhebliche Belastung für alle Haushalte, da der Grundpreis unabhängig vom individuellen Verbrauch erhoben wird. Dies bedeutet, dass alle Verbraucher, egal ob sie viel oder wenig Strom verbrauchen, zunächst mehr zahlen müssen.
Die Argumentation von Herrn Pufja, dass die Erhöhung des Grundpreises früher oder später notwendig sei, um die Solidargemeinschaft der Stromverbraucher aufrechtzuerhalten und die Netzinfrastruktur zu finanzieren, ist schlüssig, wenn die Alternative die Anhebung des Arbeitspreises gewesen wäre. Und wenn diese Anhebung zu einer höheren Mehrbelastung als durch die Grundpreiserhöhung geführt hätte. Hätten die Stadtwerke den Arbeitspreis stärker angehoben, hätte dies aber vor allem Haushalte mit höherem Verbrauch zusätzlich belastet. Und das sind in der Regel Haushalte mit viel Wohnfläche.
Fazit
Energieversorger müssen stetig prüfen, wie das Verhältnis von Arbeitspreis und Grundpreis ausgeprägt werden kann. In Willich konnten vor allem Haushalte mit höherem Verbrauch entlastet werden. So bleibt die Frage, ob die Entscheidung für eine Grundpreiserhöhung, die alle gleichermaßen betrifft, tatsächlich die gerechtere Lösung darstellt. Es bleibt aus meiner Sicht abzuwarten, wie sich diese Entscheidung langfristig auf die Verteilung der Kosten auswirkt.