Der Arbeitskreis Fremde (AKF) in Willich ist ein gemeinnütziger Verein, der sich ehrenamtlich um geflüchtete Menschen kümmert. Die Arbeit des AKF ist für die Stadt Willich von unschätzbarem Wert, weil hier Integration direkt vor Ort gelebt wird. Freiwillige Helfer unterstützen Neuankömmlinge beim Erlernen der deutschen Sprache, begleiten sie zu Behörden und Arztbesuchen und fördern den sozialen Austausch. Ohne dieses Engagement würde die Integration vieler Geflüchteter deutlich langsamer vorankommen. Entsprechend wichtig ist es, dass der AKF finanziell handlungsfähig bleibt – genau deshalb haben wir nun den Zuschuss für den Arbeitskreis Fremde erhöht.
Zuschusserhöhung sichert wichtige Aufgaben ab
Der städtische Zuschuss für den AKF wurde um 2.000 Euro auf nun 10.000 Euro für 2025 angehoben. Hintergrund dieser Entscheidung ist der Wegfall einer bisherigen Landesförderung: Bis 2024 erhielt der Arbeitskreis Fremde etwa 2.800 Euro pro Jahr vom Land Nordrhein-Westfalen über das Programm „KOMM-AN NRW“ für Ehrenamts- und Integrationsprojekte. Dieses Landesprogramm wurde jedoch 2024 überraschend eingestellt.
Dadurch fehlen dem Verein plötzlich wichtige Mittel, mit denen er bisher Sprachkurse, soziale Begegnungsangebote und die Betreuung der Helfer finanzierte. Gleichzeitig ist die Zahl geflüchteter Menschen in Willich zuletzt gestiegen, was den Bedarf an Unterstützung weiter erhöht. Der AKF kann diese Lücke nicht allein schließen und hat daher die Stadt mittels Antrag um Hilfe gebeten.
Mit der Zuschusserhöhung kompensiert die Stadt Willich nun einen Teil des Wegfalls der Landesmittel. So wird sichergestellt, dass der AKF seine integrationsfördernden Angebote fortführen kann. Die Ehrenamtlichen können weiterhin bei Ämtergängen helfen, Treffen organisieren und als Ansprechpartner für Geflüchtete da sein. Dadurch bleibt die erfolgreiche Integrationsarbeit in Willich stabil, obwohl das Land seine Förderung eingestellt hat.
Einstimmiger Beschluss als deutliches Signal
Die Erhöhung des Zuschusses wurde einstimmig im zuständigen Haupt- und Finanzausschuss am 25.02.2025 beschlossen. Alle politischen Vertreter – über Parteigrenzen hinweg – erkennen damit die zentrale Rolle des Arbeitskreis Fremde an. Die Lokalpolitik steht damit geschlossen hinter den Freiwilligen und sendet die Botschaft, dass deren Arbeit gewürdigt und unterstützt wird. Sollte die Situation sich in einem Jahr unverändert darstellen, gehe ich davon aus, dass wir auch für 2026 den Zuschuss anpassen müssen.
Kritik an Kürzungen der Landesregierung
So positiv der Schritt der Stadt ist, so sehr kritisiere ich die Politik des Landes NRW. Die CDU-geführte Landesregierung hat im aktuellen Haushalt erhebliche Kürzungen im Sozialbereich vorgenommen
Insbesondere die Streichung des „KOMM-AN NRW“ Programms – ohne Ersatz – trifft Initiativen wie den AKF hart. Dieses Förderprogramm diente seit 2016 dazu, das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe zu stärken und Integration vor Ort zu ermöglichen. Experten warnen, dass der ersatzlose Wegfall solcher Mittel ab 2025 zu einer „massiven Schwächung des Ehrenamts“ führen wird.
Die Entscheidung des Landes, ausgerechnet bei der Integration von Geflüchteten zu sparen, stößt vor Ort auf Unverständnis. Viele fragen sich, wie es sein kann, dass in Zeiten hoher Flüchtlingszahlen gerade dort gekürzt wird, wo Integration am unmittelbarsten unterstützt wird.
In der Sitzungsvorlage spricht die Verwaltung dieses Thema ebenfalls an. Auffällig in der Ausschusssitzung war, dass der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Görtz erneut kein Wort zur Politik seiner eigenen Partei verlor. Er nahm zur Landespolitik und den Folgen für Willich keine Stellung. Diese Sprachlosigkeit irritiert immer wieder auf’s Neue, denn gerade in solchen Momenten wäre eine klare Positionierung wünschenswert. Wenn die Kommunalpolitik gezwungen ist, Landesmittel durch eigene Gelder zu ersetzen, sollte ein Abgeordneter des Wahlkreises das nicht stillschweigend hinnehmen. Die Bürger erwarten hier Einsatz und Ehrlichkeit: Entweder in Form von Kritik an den Kürzungen oder zumindest einer Erklärung, warum die Landesregierung diesen Kurs fährt.
Forderung: Land NRW muss soziale Arbeit besser unterstützen
Der Fall des Arbeitskreis Fremde in Willich ist kein Einzelfall – überall in Nordrhein-Westfalen kämpfen soziale Einrichtungen mit ähnlichen Finanzlücken. Unsere klare Forderung an das Land NRW lautet deshalb: Stellt mehr finanzielle Mittel für soziale Einrichtungen bereit! Es darf nicht sein, dass Ehrenamtliche, die integrative Aufgaben erfüllen, im Regen stehen gelassen werden. Wenn Integration vor Ort gelingen soll, muss die Landesregierung Kommunen und Vereine ausreichend unterstützen. Programme wie „KOMM-AN NRW“ dürfen nicht sang- und klanglos gestrichen werden, ohne Ersatz zu bieten.
Das Land NRW muss seiner Verantwortung gerecht werden und die Städte bei der Integrationsarbeit nachhaltig entlasten. Konkret heißt das, Förderprogramme verlängern oder neue auflegen, damit engagierte Vereine wie der AKF ihre wichtige Arbeit fortsetzen können. Die Städte allein können die Kosten nicht schultern, zumal viele kommunale Haushalte defizitär sind. Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – Land und Kommunen müssen hier an einem Strang ziehen. Willich hat mit der Zuschusserhöhung ein starkes Signal gesendet. Jetzt ist Düsseldorf am Zug: Die Landespolitik muss dafür sorgen, dass Initiativen wie der Arbeitskreis Fremde nicht jedes Jahr um ihre Existenz bangen, sondern verlässlich planen können. Es braucht eine Kehrtwende hin zu mehr Unterstützung im Sozialbereich, damit Integration durch Ehrenamt weiterhin Erfolgsgeschichten schreibt.
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